Konfliktpotential für Frauen in der Wirtschaft. Eigentlich ganz natürlich?

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich begann mich mit dem Thema “Frauen in der Wirtschaftswelt” auseinander zu setzen. Verwunderlich, da ich doch schon 15 Jahre selbständig bin?! Ja, vielleicht! Ich wurde auch 15 Jahre lang regelmäßig angesprochen, ob ich mich nicht in die eine oder andere Frauen-Initiative einbringen will. Und stets sagte ich ab weil ich der festen Überzeugung war, dass es nicht nötig ist. Ich sah den Bedarf einfach nicht.

Eine Herausforderung – Mit gewachsenen Strukturen klarkommen

Ich habe mich gleich nach der Uni selbständig gemacht, war nie angestellt in einem Großunternehmen. Die vielen kleinen Studentenjobs gelten da nicht. Denn wer “Karriere” in einem klassischen Unternehmen macht, der muss in gewachsenen Strukturen klar kommen, während ich mit meinem eigenen Unternehmen in einer Art Pippi-Langstrumpf-Welt in das Wirtschaftsgeschehen reingewachsen bin. Allzeit war ich gewohnt und gefordert, selbst die Strukturen zu schaffen, die ich brauche (oder meine zu brauchen). Und in dem, was man selbst gestalten kann, eckt man naturgemäß nicht so schnell an.

Viele Erlebnisse prägen

Und dann kam der Moment, in dem ich verstand, warum es doch sinnvoll ist und nicht nur eine lapidare Gender-Debatte, die jemand vom Zaun bricht. Was war also der Auslöser, dass ich jetzt hier bin, meinen Blog zum Thema Women Entrepreneurship pflege und mich regelmäßig freue, wenn ich zum Thema sprechen und diskutieren kann? Viele Jahre Selbständigkeit prägen natürlich. Mein erstes Unternehmen Dialego gründete ich in Zeiten der New Economy. Ich kam viel rum, gewann etliche (Startup-) Preise, die Presseclippings kann man in kg zählen aus der Zeit damals. Tolle Erfahrungen, die ich nicht missen möchte und jede einzelne Begegnung, jedes Gespräch hat mich sicher geprägt. Genauso wie mich heute noch täglich jede Begegnung mit anderen Menschen wachsen lässt – sei es, dass wir uns gleich wunderbar verstehen oder es Konflikte gibt.

Es geht meist um Ränge, wer der Wichtigste ist. #WomenEntrepreneurship Klick um zu Tweeten

Ich habe gelernt mir die Zeit zu nehmen, viel zu reflektieren und habe die Kraft und das Durchhaltevermögen meine eigene Meinung zu vertreten. Jahre später habe ich verstanden, dass das mein Erfolgsfaktor ist – und ich empfand es die ganze Zeit über als „natürlich“. Warum mich das beschäftigt? Die letzten Jahre wurde ich öfters von spannenden Politikern zum Dialog eingeladen, bis hin zu unserer Kanzlerin, die sich für meine Meinung interessierte. Erstmal habe ich mich natürlich nur gefreut, aber dann kommt schon die Frage “Warum eigentlich ich?”. Dann kam Ende 2012 die Berufung von Philipp Rösler, damals Bundeswirtschaftsminister, ihm in einem neuen Beirat regelmäßig Empfehlungen für die Digitale Wirtschaft zu geben. Ich freute mich wieder, dass meine Meinung gefragt ist und nahm die Berufung an. Tatsächlich ist dieses Amt Auslöser für meine entdeckte Mission, denn ich nahm mir Zeit für viele Veranstaltungen zum Thema Digitale Wirtschaft und plötzlich hatte ich das Gefühl inmitten eines “Kampfes” zu stehen – den ich fast ausschließlich bei Männern beobachtete. Es geht meist um Ränge, wer der Wichtigste ist. Klar, die Digitale Welt ist halt auch besonders von Männern geprägt und folgt womöglich ihren Regeln? Gesehen und gehört werden war manches mal wichtiger als das Voranbringen von Inhalten und ich fühlte mich plötzlich unwohl, hätte sogar gerne mal den Raum verlassen. Und dann habe ich mir gesagt, “Nein, Du wurdest ausgewählt, Deine Meinung zu sagen” und ich blieb.

Die Natur gibt die Antwort – Aus der Evolutionsbiologie

Und ich erkannte: In der Tat tickt Frau ganz anders. Diese impliziten “Kampfszenen” (eher Worte, Posen, natürlich keine wirklichen Kampfhandlungen) sind ihr eher fremd. Aber warum nur? Ich las viel und fand die simpelste und treffendste Erklärung in der Evolutionsbiologie. Eine wunderbare Forscherin, Prof. Dr. Doris Bischof Köhler beschreibt in ihrem Buch “Von Natur aus Anders” die Unterschiede mit Blick auf die Evolutionsbiologie. Sie erklärt, dass es bei Männern, auch im Naturreich, selten um Leben und Tod geht. Vielmehr um Drohen und Imponieren. Sie kämpfen um ihren Rang und können Niederlagen gut wegstecken. Geübte Strategie sind Seilschaften, auch schon mal mit dem Konkurrenten. Frauen dagegen hatten nie einen Grund sich ein dickes Fell zuzulegen. Sie bekommen ihren Rang von den Anderen zuerkannt und nehmen sich Misserfolge sehr zu Herzen.

Als ich Köhler´s Buch las, war das wie ein Aha-Moment. Es erklärt so vieles und macht es für mich besser verständlich. Ja, ich stimme zu 100% zu: Das Verhalten von Männern und Frauen ist sehr anders – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel :-). Und Männer wie Frauen müssen lernen, damit umzugehen.

Mehr als nur eine Gender-Diskussion

Seitdem ich diese Entdeckung machte, habe ich in vielen Vorträgen, Diskussionsrunden und 1:1-Gesprächen Feedback dazu bekommen. Interessanterweise stimmen nahezu ausnahmslos alle Frauen zu und können spontan Situationen hervorholen, die in dieses Muster passen. Die Männer dagegen sind eher gespalten. Es gibt die Gruppe, die sagt “Aaah, nur wieder diese Gender-Diskussion” und andere, das Thema nachvollziehen können. Ich habe viel Unterstützung, gerade von Männern erhalten und freue mich sehr darauf viele weitere Stimmen zu hören.

Wertschätzender Umgang ist wichtig

Doris Bischof-Köhler folgert auch, dass das Verhalten der Frauen sich nicht ändern wird, nur weil sie in eher männliche Berufspositionen wechseln. Richtig so. Die Welt wäre langweilig, wenn wir alle unser Verhalten anpassen aber wir sollten lernen, wertschätzend miteinander umzugehen.

Frauen sollten nicht wehklagen sondern die Konflikte adressieren

Also, sind Konflikte von Frauen in der Wirtschaft ganz natürlich? Vermutlich ja, vor allem, so lange Frauen sehr in der Minderheit sind und die Auseinandersetzung scheuen. Aber anstatt zu wehklagen sollten wir uns aufmachen, aus Konflikten zu lernen, sie zu adressieren und zu lösen. Ich bin sicher, dass das gelingen kann.

Die Erkenntnis ist ein maßgeblicher Grund für diesen Blog. Ich freue mich sehr auf unseren Austausch hier und Eure Erfahrungen zum Thema.

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