Was Unternehmer zum Thema Burnout lehren

Was für ein Aufreger. Oliver Samwer, Gründer von Rocket Internet, Vorzeigegründer wie auch Buhmann der Nation, hat eine Debatte entfacht. Auf der NOAH-Konferenz sagte er zum Thema Burnout, dass es „nicht sein Ding“ sei. Nun melden sich viele zu Wort, die sagen, er habe „gut Reden“, schließlich ist er doch Millionär und kann sich aussuchen, wann er arbeitet.

Burnout ist kein Massenphänomen

Vor Kurzem hörte ich einen Vortrag von Frank Schneider, Universitätsprofessor, der mit seiner Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Aachener Uniklinik der RWTH gefragter Experte zum Thema ist. Da lernte ich einiges, was man dank n-tv nachlesen kann. Auch ich war der Meinung „Burnout ist nicht meins“ und er hat mich bestätigt.

„Burnout ist nicht als eigenständige Krankheit klassifiziert, aber als Risikozustand, der einer anderen psychischen Erkrankung vorausgehen kann.“

Das Thema sei eben kein Massenphänomen und überbewertet. Ärzte und Patienten sind dem Thema gegenüber schlicht sensibler geworden, es tritt aber nicht häufiger auf.

Dennoch wird Burnout als „Volkskrankheit“ gehandelt

Sensibler sind nicht nur die Patienten sondern auch „die Medien“ geworden. Das Thema kocht geradezu hoch, sobald es einen Anlass gibt. Diesmal also Oliver Samwer. Warum ist das so? In den Kommentaren, auch in diesem Fall, wird oftmals ein Ungleichgewicht zwischen „denen da oben“ und „denen da unten“ beklagt. Gerne wird damit die Diskussion zur „Work-Life-Balance“ in Verbindung gebracht. Eigentlich die gleiche Debatte wie sie bspw. Gerhard Maier und Thomas Hohlfeld auf Facebook kommentieren. Die Arbeit als Last, das Leben als Vergnügen? Zwei Pole, nichts dazwischen und „die da oben sind’s Schuld“ – sehr verkürzt gesagt.

Nebenbei: Vielleicht wäre uns auch schon damit geholfen, wenn Plattformen wie gründerszene besser recherchieren und Burnout nicht auf „Krankheit“ verkürzen, obwohl es diese Krankheit laut medizinischer Definition gar nicht gibt sondern wie ein Medien-Befund wirkt.

Ein Lösungsvorschlag: Aktiv werden

Was aber nun kann helfen? Der Medizinier empfiehlt: „Wenn man sich schlapp und ausgelaugt fühlt, sollte man versuchen, mehr zu schlafen, regelmäßig Sport zu machen und Freizeitbeschäftigungen nachzugehen, die nichts mit der Arbeit zu tun haben.“

So sehe ich es auch: aktiv werden. Nicht passiv bleiben und die Verantwortung für die eigene Situation anderen zuschieben. Ich weiß nicht, wie oft ich schon der Buhmann als Chef war. Irgendwann war es mir zu bunt und ich habe gesagt: „Demnächst bin ich auch dafür zuständig, dass die Kinder kommen.“ Als Frau kann ich das. Bei einem Mann wäre das wohl auch nicht politisch korrekt gewesen… 😉

Aktiv statt passiv: Jetzt die Zügel in die Hand nehmen und sein Leben selbst gestalten. Klick um zu Tweeten

Jeder Einzelne ist nicht zum Passiven verpflichtet. Problematisch finde ich, dass wir viel zu wenig lernen, selbst aktiv unser Leben zu gestalten. Unsere Schulausbildung ist zur reinen Wissensvermittlung verkommen, wo Mathe, Deutsch und Sachkunde wichtiger sind als jegliche Social Skills. Einen Lösungsvorschlag, wie schon Grundschulkinder lernen, das eigene Glück zu meistern und Persönlichkeit zu entwickeln, lest Ihr auch in meinem Blog.

Natürlich kann die Schule nicht für das „große Glück“ des Einzelnen verantwortlich gemacht werden. Sie ist nur ein Puzzle-Stück, aber ein wichtiges. Hauptverantwortlich sind immer noch die Eltern. Nur die heutige Generation Eltern, großteils Generation Y, ist mit anderen Erwartungen groß geworden.

Glück = Realität – Erwartungen

Den besten Beitrag dazu las ich vor einigen Monaten in der Welt. Die Autoren machen die Formel auf: Glück = Realität – Erwartungen. Und „berechnen“ so für verschiedene Generationen den Glückszustand. Die Generation Y, zwischen 1970 und Anfang der 90er Geborenen, schneidet negativ ab. Ihre Erwartungen sind schlicht höher als die Realität liefern kann und damit ist das Glück negativ. Vermutlich Nährboden für den „Risikozustand Burnout“.

In dem Artikel wird beschrieben, dass die Generation Y ein „Traumtänzer-Dasein“ führen. Sie sehen nicht, dass „große Karrieren viele Nerven, Schweiß und Tränen“ kosten und „wollen es nicht so einfach akzeptieren“. Sie sitzen wie ein „glitzerndes Einhorn“ auf der Blumenwiese und warten bis die Welt erkennt, wie großartig sie sind. Nur leider passiert das nicht. Und das bedeutet Frust. Erkenntnis wäre hier noch besser.

Unternehmer haben ihr Schicksal bewusst selbst in die Hand genommen

Unternehmer wissen, dass der eigene Erfolg Nerven, Schweiß und Tränen kostet. Sie wissen, dass es nicht reicht, sich auf die grüne Wiese zu legen und auf das „Einhorn“ Kunde zu warten. Sie wagen es, ihren eigenen Weg zu gehen und übernehmen Verantwortung für ihr eigenes Einkommen und später auch das der Mitarbeiter. Unternehmer wollen kein Mitleid für 20-Stunden-Arbeitstage aber auch kein Bashing.

Die Haltung macht den Unterschied, die Entscheidung, dass ich aktiv werde und mein eigenes Leben in die Hand nehme. Und das kann jeder Einzelne. Nicht jeder muss ein Unternehmen gründen – auch wenn ich mir wünschen würde, dass es deutlich mehr als die knapp 2 Prozent in Deutschland wären – aber jeder Einzelne, jedes Kind, jeder Arbeitnehmer ist dafür verantwortlich, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Für Unternehmer wie Arbeitnehmer gilt: wenn ich merke, dass es zu viel wird, muss ich mir die Tipps von Prof. Schneider vor Augen führen: Tue bewusst etwas, das nichts mit Deinem Job zu tun hat.

Meine persönlichen Learnings

Ich habe selbst drei Kinder und drei Firmen und lebe so täglich volle aber auch sehr erfüllenden Tage. Ich trenne schon lange nicht mehr zwischen Work und Life, sondern arbeite mit meinen Unternehmen an Themen, die mich bewegen.

Keines der Unternehmen, keinen der Erfolge und Misserfolge schreibe ich jemand anderem zu. Es ist ein stetiger Prozess, in dem man ausprobiert, scheitert und wieder aufsteht. Zeitmanagement-Seminare sollten mir helfen, mich zu organisieren und ich wunderte mich, warum ich stets überfordert war. Bis ich herausgefunden habe, dass sie nicht funktionieren können, weil ich divergent bin. Das „Prinzip Wichtig, nicht Eilig“ war ein Quantensprung für mich, wie ich mich selbst organisiere, delegiere und Relevantes von Unwichtigem trenne. Erkannt habe ich es, indem ich ein Buch gelesen habe und das Gelesene in die Tat umgesetzt habe, also auch aktiv geworden bin.

Ein weiterer Glücksmacher ist die Zeitsouveränität, über die Ihr hier im Blog mehr lesen könnt. Fokussierung ist ganz besonders in unserem digitalen Zeitalter wichtig und eine hohe Kunst, die schon die Kleinsten lernen sollten, ebenso wie alle Großen. Übrigens, auch bestätigt von Prof. Schneider: Das Handy auch im Urlaub in die Hand zu nehmen, um Büromails zu checken ist nicht schlimm, so lange ich es selbst aktiv entscheide. Wenn ich stets im Moment bin, mich auf meine Mails konzentriere, danach aber wieder voll bei meiner Familie sein kann, habe ich das Ziel erreicht. Ich habe das Glück über inzwischen 20 Jahre Digital-Leben eine recht souveräne Haltung erlangt zu haben, zu “Digital-an-aus” (ja, ich bin eigentlich ständig on), Familienzeit, Unternehmertum. Ich weiß, dass das ein großes Glück ist, ich bin mir aber auch sicher, dass das Jeder erreichen kann.

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Drei Tipps für ein glückliches (Arbeits-)Leben

  • Mach Dich selbst verantwortlich für Dein Glück
  • Lerne zu trennen, zwischen Wichtigem und Eiligem
  • Sei stets in dem Moment

 

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