7: Wie wir mit Daten umgehen

Was wir über Daten und was wir wissen sollten

Leitfaden zum Umgang mit Daten: https://web.dialego.de/blog/2019/12/10/leitfaden-fuer-unternehmen-und-politik-zum-umgang-mit-daten-daten-fuer-unternehmen-und-politik/

Projekt Gaia.X des Bundeswirtschaftsministeriums: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Digitale-Welt/das-projekt-gaia-x.html

Digitale Versorgung-Gesetz: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/digitale-versorgung-gesetz.html

Zum Buch: www.die-zukunft-ist-menschlich.de

———– Der Podcast als Transkript ———–

Episode 7 – Chancendenken – Wie wir mit Daten umgehen – 04.02.20, 06.21.mp3

[00:00:00] Heute geht es um Daten und wie wir mit Daten umgehen. Herzlich willkommen im Podcast Chancendenken – wie wir die Zukunft leben wollen. Das ist Episode 7, wie wir mit Daten umgehen. Ich bin Andera Gadeib, Autorin, Digitalunternehmerin und Onlineenthusiastin. Meine Passion ist es, die Zukunft zu gestalten, digital und analog. Und das immer für den Menschen. Wenn du auch Spaß daran hast und wissen willst, wie du das anpacken kannst, dann hör hier rein. Danke, dass du dir die Zeit nimmst. Los geht’s.

[00:00:58] Heute spreche ich über das Thema Daten, was uns sowohl als Privatperson angeht im digitalen Raum, weil wir überall Datenspuren hinterlassen, aber auch Unternehmen betrifft. Beim Umgang mit Daten ist eigentlich so ziemlich Jeder angesprochen. Ich habe mich jetzt drei Jahre lang damit beschäftigt, in einem großen Forschungsprojekt, das vom BMBF, dem Forschungsministerium auf Bundesebene gefördert war. Und die Idee war, dass wir eine Art Plattform schaffen, über die ein sicherer Datenaustausch möglich ist und auf der ich als Internetnutzer sagen kann, welche Daten ich wem bereitstelle. Interessanterweise hat das vor ein paar Wochen in groß auch unser Bundeswirtschaftsminister Altmaier vorgestellt: Gaia X ist eine große Initiative, in der es eine europäische Daten Cloud geben soll. Sehr guter Ansatz. Ich bin gespannt, wie sich das entwickeln wird. Aber die Grundidee dahinter war auch tatsächlich das, was wir vor drei Jahren begonnen haben zu beforschen.

[00:02:11] Und es klingt jetzt vielleicht erstmal langweilig, was wir mit Daten machen, ist aber elementar, weil wir täglich Datenspuren hinterlassen. Mit jedem Nutzen des Handys oder einer App, eine Tankkarte, eine Kundenkarte, die Kreditkarte. Was auch immer wir tun über den Tag ist inzwischen digital gespeichert, womöglich auch vernetzt. Und entsprechend halte ich es für total wichtig, dass wir uns damit auseinandersetzen, also jeder Einzelne bewusst mit seinen eigenen Daten umgeht. Zugegebenermaßen, das ist nicht so super einfach. Manchmal sind die Informationen relativ versteckt, was mit den Daten passiert. Auch dafür gibt’s eine Verordnung. Die EU-Datenschutzgrundverordnung, kurz EU-DSGVO. Das hast du vielleicht schon mal gehört? Und wenn man jetzt Verbraucher ist, wird man vielleicht sagen: Was ist das? Super kompliziert. Da fuchse ich mich nicht rein. Das kann ich auch total verstehen. Das Problem ist, das sagen auch manche Unternehmer. Und zwar zu Recht. Weil die Idee hinter dieser Verordnung ist super: Es soll transparenter sein und klarer, was mit Daten passiert. Aber sie ist nicht besonders gut kommuniziert, und das nur am Rande. Oder vielleicht als als Intro.

[00:03:29] Ich möchte euch einmal die wichtigsten Erkenntnisse mitgeben, die dich auch in die Lage versetzen sollen, bewusst mit den eigenen Daten umzugehen oder wieder aus der Unternehmensperspektive: einfach zu wissen, was denn eigentlich akzeptiert ist. Ich glaube, auch das wird entscheidend sein, wenn du einen Service anbietet, eine App, ein digitales Produkt oder ein reales Produkt, wo Kundendaten gespeichert werden. Ich bin überzeugt davon, Vertrauen von Kunden wird heute auch damit gewonnen, dass man fair mit diesen Daten umgeht. Und so haben wir einen recht kurzen Forschungsbericht erstellt. Ich setze den Link in die Shownotes, den kannst du gerne runterladen. Da ist wirklich alles im Detail beschrieben. Und so haben wir beispielsweise Studien über die Chancen und Risiken der Digitalisierung dort drin. Wo man einfach sieht: Wenn wir jetzt mal in die Bevölkerung reinfragen. Was sehen denn eigentlich die Menschen als Chance und was als Risiko der Digitalisierung? Und Tatsächlich, so eine wesentliche Chance ist, dass es viel schneller geht, dass vieles auch einfacher geht durch das Digitale. Aber beim Risiko stehen tatsächlich die Daten an vorderster Stelle. Und zwar, dass sie gehackt werden können, dass sie missbraucht werden können und so einen O-Ton in unserer Forschung ist wirklich hängen geblieben: “Daten können gegen mich verwendet werden”. Also Jemand, der Daten von mir besitzt, der kann die gegen mich verwenden. Da gibt es einige Beispiele. Ich will hier aber nur erst mal auf Grundzüge eingehen. Und wenn du Lust hast, tiefer einzusteigen, bist du herzlich eingeladen, dir den ganzen Bericht anzuschauen. Also ganzer Bericht heißt etwa 20 Seiten.

[00:05:08] Herausgefunden haben wir, dass es total davon abhängt, über was für Daten wir sprechen. Also die Frage “Wie sensibel sind eigentlich verschiedene Daten, die wir hinterlassen?” Und dabei ist rausgekommen erst mal so eine Art Hierarchie: Super sensibel sind Finanzdaten. Alles, was mit Kontoverbindungen, Kontobewegungen zu tun hat – das ist auch total nachvollziehbar – sind die sensibelsten Daten. Dicht gefolgt von personenbezogenen Daten, also Informationen über dich als Personen, vor allem in der Frage “Wie identifizierbar ist man als einzelne Person?” ist auch ein super sensibles Datum. Und darauf folgt dann die Gesundheit, also Gesundheitsdaten. Da sage ich gleich noch kurz ein bisschen mehr zu, weil da wir tiefer eingestiegen. Aber vielleicht so, was es am unteren Ende? Im Vergleich sind Kommunikationsinhalte oder auch Mobilitätsverhalten beispielsweise weniger kritisch. Nicht ganz unkritisch. Also nicht jedermann sollte wissen, von wo nach wo ich mich bewegt habe. Aber im Vergleich, wenn man das in Relation setzt, sind sie unkritisch zu den Finanzdaten beispielsweise. Und wenn wir uns konkrete Inhalte anschauen, also welche Informationen werden als sehr sensibel eingestuft und welche als niedrig? Dann ist so etwas wie das DNA-Profil Beispielsweise super hoch, also eine ganz sensible Informationen. Damit kann man ja den Einzelnen identifizieren, die DNA. Oder auch der Fingerabdruck ist ähnlich super sensibel, ebenso wie die Kontonummer. Und auf der anderen Seite der Skala, also bei den weniger kritischen Informationen ist so etwas wie die Religion, die Körpergröße oder auch der Geburtsort genannt. Ganz spannend, was da so rausgekommen ist. Da sind noch viel mehr Vergleiche. Das könnt ihr euch gerne im Detail anschauen.

[00:06:59] Was ich kurios fand, war: Sehr niedrig, also wenig sensibel, ist der Name des Haustiers. Was aber super sensibel ist, ist das Passwort, also ein Passwort, was man selbst vergeben hat. Interessanterweise wird der Name eines Haustiers super oft im Passwort verwendet. Also wir Menschen agieren nicht besonders rational oder denken da auch nicht viel drüber nach, wie wir ein Passwort setzen. Und ich glaube, da können wir selbst etwas bewegen. Also wenig “hackbar” sind unsere Daten, also Profile, die wir irgendwo angelegt haben, in sozialen Netzwerken oder bei einem Service, wenn wir das Passwort auch wirklich sicher wählen. Es ist vielleicht mühsam. Dafür gibt’s Password Manager. Da rate ich euch zu, das tatsächlich zu nutzen. Ich mache das schon sehr lange, und das ist auch gut so.

[00:07:48] Ich gehe noch in das Thema Gesundheit rein. Ein bisschen konkreter kann man es vielleicht an dem Markt festmachen, was wir da so gelernt haben, dass es vielleicht ganz spannend ist für dich. Vielleicht bist du auch im Gesundheitsmarkt unterwegs. Und da kommt es total darauf an, welche Daten geteilt werden sollen und wer der Empfänger ist. Die Mehrheit der Menschen ist bereit, allgemeine Gesundheitsdaten über physische Krankheiten zu teilen. Mit der Wissenschaft, wenn wir vielleicht erwarten können, bessere Behandlungsmöglichkeiten durch die Forschung zu erhalten. Nicht geteilt werden sollen die mit der Krankenkasse und schon gar nicht mit der freien Wirtschaft bzw. Pharmaindustrie. Interessanterweise hat unser Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor wenigen Wochen das Digitale Versorgunggesetz verabschiedet, bzw. das Gesetz ist durch ihn initiiert und ist dann verabschiedet worden. Und da wird auf das Thema gar nicht ausreichend eingegangen. Also ich glaube, da ist tatsächlich Nachbesserungsbedarf, weil da sollen Krankenkassen beispielsweise standardmäßig alle Informationen bekommen für alle Analysen. Und ich glaube, da muss man noch mal genauer reinschauen, damit das auch wirklich funktioniert und Akzeptanz findet.

[00:08:57] Wenn wir uns anschauen, welche Daten nicht geteilt werden sollten, sind es beispielsweise psychische Erkrankungen. Da sind die Menschen sehr verhalten und eher negativ eingestellt. Auch das kann gegen mich verwendet werden. Also ganz interessant, wenn man in dem Markt ist. Man braucht sich eigentlich nur anschauen, was akzeptiert ist und weniger akzeptiert ist. Wenn ich meinen eigenen Service darauf ausrichte, werde ich einfach den Menschen gerechter, meinem Kunden gerechter. Ich glaube das sollte jeder tun.

[00:09:26] Vielleicht zum Abschluss das eher unangenehme Thema Datenschutz. Ich kann verstehen, dass es einen auch eher nicht interessiert, weil die Sprache auch so unglaublich schwierig ist. So hatten wir zum Beispiel, während wir an dem Projekt gearbeitet haben und den Abschlussbericht geschrieben haben, dort den Begriff Dateneigentum drinstehen. Da haben ich gesagt “Das verstehe ich”. Also, wem gehören die Daten? Und dann haben die Rechtswissenschaftler, die mit im Projekt waren, haben das dann gestrichen und haben gesagt: Nein, man spricht heute von “Zuweisungsgehalt von Daten”. Da habe ich erst mal nachgefragt, weil ich fand Zuweisungsgehalt von Daten, überhaupt nicht pragmatisch, verständlich. Und tatsächlich ist es so Dateneigentum kann missverstanden werden oder wird zu breit verwendet, habe ich dann gelernt. Und die Rechtswissenschaftler sind super, die wir dort im Projekt haben. Mit denen kann man auch im normalen Deutsch sprechen und nicht alles so in Expertensprache. Ich habe dann verstanden Zuweisungsgehalt von Daten ist eindeutiger. Ja. Aber da fängt es schon an. Wenn es schwierig zu verstehen ist, dann steigen eigentlich alle aus, sowohl die Nutzer als auch die Anbieter.

[00:10:34] Ich glaube, so ist es auch mit der EU-DSGVO, von der ich schon mal kurz gesprochen habe. Die war gedacht, Dinge zu vereinfachen. In Wirklichkeit holt sie nicht alle ab. Und es fehlen klare Leitplanken auch für die Wirtschaft. Ich kenne Unternehmen, die irre damit zu kämpfen haben, es richtig umzusetzen. Weil es einfach mehr Verwirrung gibt mit irre vielen Fortbildungen von den IHKen. Du gehst eigentlich verwirrter raus als du reingegangen bist. Und wir als kleines Unternehmen, das kann ich nur schon berichten, erhalten von großen Kunden unglaublich dicke, noch dickere Vereinbarungen, die wir unterzeichnen sollen. Und während sich unser Kunde vielleicht 20 Anwälte leisten kann, sind wir als kleines mittelständisches Unternehmen gefordert, diese dicken Pamphlete zu lesen und abzuzeichnen. Eigentlich steht das in keinem Verhältnis, ganz ehrlich. Im Buch, von dem Du vielleicht schon gehört hast, spreche ich vom Eid des Programmierers, den ich als Lösungsansatz entworfen habe. Da spreche ich vielleicht auch mal in einem der kommenden Podcasts ausführlicher drüber. Außerdem habe ich gerade eine Initiative gestartet zum fairen Umgang mit Daten mit ein paar Kollegen. Darüber werde ich sicher auch nochmal ausführlicher berichten.

[00:11:43] Und mir bleibt für heute, dir einen schönen Tag zu wünschen und Dir mit an die Hand zu geben, dass du gerne den kompletten Leitfaden runterladen kannst oder auch in der Tiefe in mein Buch einsteigst, wenn Du Lust dazu hast. Ich danke dir, dass Du Dir die Zeit genommen hast und freue mich, wenn du auch nächste Woche wieder dabei bist. Wenn etwas Spannendes für dich dabei war, an Anregungen heute, dann leg einfach los, mach einfach mal. Ich freue mich, von dir zu hören und freue mich auch sehr, wenn du mir eine Bewertung für den Podcast hinterlässt oder ihnen Freunden empfiehlt. Vielen Dank und bis bald!

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